DEEN

Braunfels, Strauss

Walter Braunfels: Streichquintett, Richard Strauss: Metamorphosen
David Geringas, Gringolts-Quartett (2012)
Profil Edition Günter Hänssler PH12053 (64’)

Ausgezeichnet mit dem Echo Klassik 2013 und Supersonic Award

Pizzicato
Die Interpretation durch das Gringolts Quartett ist grandios, intensiv und brillant. Dabei wird das Quartett in beiden Werken von dem großartigen Cellisten David Geringas unterstützt …

 
Intensiv. Das Programm ist aufregend.
Walter Braunfels‘ Streichquintett aus dem Jahre 1944 ist ein spannungsvolles Werk, das zum Teil die große seelische Belastung der Kriegsjahre wiedergibt und verarbeitet, doch das in einem recht ausgelassenen Finale schließt. Rudolf Leopolds Bearbeitung der Metamorphosen von Richard Strauss für 7 Streicher gefällt mir, ehrlich gesagt, besser als das Original, das für 23 Streicher komponiert wurde. Die Musik wirkt kompakter, der kammermusikalische Charakter ist schärfer, bodenständiger und drückt das Wesentliche besser aus, als es 23 Streicher können. Die Interpretation durch das Gringolts Quartett ist grandios, intensiv und brillant. Dabei wird das Quartett in beiden Werken von dem großartigen Cellisten David Geringas unterstützt, bei den ‚Metamor­phosen‘ kommen noch der Kontrabassist Dariusz Mizera und der Bratschist Ryszard Groblewski hinzu. Eine sehr intensive und musikalisch erstklassige Veröffentlichung der Firma Hänssler, der man eine weitere Zusammenarbeit mit dem Gringolts-Quartett nur ans Herz legen kann.

steff


Fonoforum
Die fünf Streicher spielen mit wunderbarer Entschlossenheit, etwa wenn die beiden Cello-Stimmen im Kopfsatz den kurzen Melodiefetzen mit knurrigem Legato begegnen oder wenn der dritte Satz mit einem rüstigen Pizzicato eröffnet wird und sich nachher die Musiker gegenseitig die Impulse zuwerfen. (…) Geringas und die vier Gringolts spielen das mit Verve und Akribie, mit Zunder und Umsicht.

 
Entschlossen
Kontinuierlich gewinnt die Renaissance von Walter Braunfels, dem von den Nazis Verschmähten und anschließend Vergessenen, an Fahrt. Jetzt haben David Geringas und das Gringolts-Quartett sein Streichquintett op. 63 aufgenommen, ein Werk, das der Komponist ursprünglich als Quartett konzipiert und mitten im Schaffensprozess 1944 als „das hoffentlich beste meiner bisherigen Kammermusik“ charakterisiert hat. Die fünf Streicher spielen mit wunderbarer Entschlossenheit, etwa wenn die beiden Cello-Stimmen im Kopfsatz den kurzen Melodiefetzen mit knurrigem Legato begegnen oder wenn der dritte Satz mit einem rüstigen Pizzicato eröffnet wird und sich nachher die Musiker gegenseitig die Impulse zuwerfen. In eine andere Welt führt das Adagio, ein Satz mit variierten Violinsoli: Tiefe Ruhe, sanfte Wogen – so gespielt wirkt diese Musik herrlich entrückt. Das Finale bildet zu Beginn einen markanten Gegensatz zum brüchigen, rhythmisch kühnen Scherzo, bevor sich muntere Spiellaune breitmacht. Geringas und die vier Gringolts spielen das mit Verve und Akribie, mit Zunder und Umsicht. Als 25-minütige Zugabe enthält die CD Strauss‘ „Metamorphosen“, von ursprünglich 23 auf nunmehr sieben Streicher reduziert. Verstärkt um Dariusz Mizera und Ryszard Groblewski, endet dieses Septett zu einem geschlossenen, gleichmäßig fließenden und sich verändernden Klang, fernab jeder Süße, unter der dieses Werk bisweilen zu leiden hat.

Christoph Vratz, Juni 2013